Selbstverständnis

Wer sind wir? Was ist unsere Haltung?

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die

  • im Gesundheitswesen arbeiten,
  • davon z. B. als Patient*innen oder Angehörige betroffen sind oder
  •  sich für das Gesundheitssystem interessieren

und einen erheblichen Verbesserungsbedarf an den bestehenden Strukturen sehen.

Wir möchten uns gleichberechtigt mit unseren verschiedenen Kenntnissen und Erfahrungshintergründen ergänzen. Dies tun wir auch aus der Grundannahme heraus, dass ein kollektives Angehen von Strukturproblemen im Gesundheitsbereich eine Voraussetzung ist, um den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen zu begegnen und damit sinnhafte Veränderungen zu erwirken.

Unsere Grundüberzeugung ist, dass wir ein menschliches und solidarisches* Gesundheitssystem brauchen. Dieses muss allen Beteiligten einen Rahmen schaffen, in dem Versorgung bedarfsgerecht erfolgt und in dem sowohl Prävention als auch Gesundheitsförderung als elementare Bestandteile des Gesundheitskonzeptes mit umgesetzt werden. Unter den jetzigen Bedingungen ist beides nicht gegeben. Dabei sehen wir die Ökonomisierung im Gesundheitswesen als eines der zentralen Hindernisse.

Wir beobachten innerhalb der bestehenden Strukturen eine zunehmende und risikoreiche Fehl-, Unter- und Überversorgung der Patient*innen. Durch den Versuch, das System über finanzielle Anreize zu regulieren, stehen sich zwangsläufig die Interessen wirtschaftlich handelnder Krankenhauskonzerne und der Versorgten bzw. Versorgenden gegenüber. Insbesondere problematisch finden wir das aktuelle Abrechnungssystem (Budgetierung, DRGs), da es beispielsweise zu drastischen Personaleinsparungen, massiver Arbeitsverdichtung und medizinisch nicht erklärbaren Fallzahlsteigerungen führt.

Darüber hinaus verstehen wir Gesundheit nicht allein als Abwesenheit von Krankheit – sie ist von psychischen, sozialen, umweltbedingten, strukturellen Faktoren und vielen weiteren Faktoren abhängig. Die Krankenbehandlung trägt also nur einen kleinen Teil zur Gesundheit der Menschen bei. Die Überlegung, wie ein zukünftiges Gesundheitssystem gestaltet werden kann, muss daher über eine isolierte Betrachtung der ambulanten Praxen und der stationären Versorgung hinaus gehen.

Dafür bedarf es einer gleichberechtigten Zusammenarbeit zwischen Menschen mit unterschiedlichen (fachlichen) Hintergründen wie Gesundheits- und Krankenpfleger*innen, Psycholog*innen, Ergo- und Physiotherapeut*innen, Sozialarbeiter*innen, Dolmetscher*innen, Ärzt*innen, lokalen Akteur*innen usw. sowie einer guten Vernetzung mit bestehenden Strukturen und flachen Hierarchien auch innerhalb von Berufsgruppen.

Unser Ziel ist Gesundheit für alle. Wir fordern Chancengleichheit im Gesundheitswesen unabhängig von Klasse, Geschlecht, Herkunft, Aufenthaltsstatus und weiteren potenziell distinktiven Merkmalen. Wir positionieren uns gegen diskriminierende und rassistische Strukturen innerhalb der Gesellschaft. Angehörigen marginalisierter Gruppen gilt in diesem Kontext ausdrücklich unsere Solidarität*, weshalb wir das Recht auf „Gesundheit für alle“ als nicht verhandelbare politische Forderung verstehen.

Was tun wir?

Wir wollen aus unserem Alltag im Gesundheitswesen heraus auf Missstände hinweisen, auf Alternativen zur Ökonomisierung im Gesundheitswesen hinarbeiten und mögliche Lösungswege aufzeigen, um Veränderungen herbeizuführen.

Über die politische Ebene wollen wir Gesundheit mitgestalten und uns auf lokaler Ebene als Expert*innen einbringen. Wir beziehen Stellung zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen.

Wir setzen uns mit theoretischen Grundlagen und praktischen Erfahrungen, die das Gesundheitswesen betreffen, als Gruppe auseinander. Dazu treffen wir uns regelmäßig im Plenum und arbeiten inhaltlich in themenspezifischen Arbeitsgruppen. Darin befassen wir uns mit alternativen, bedürfnisorientierten Versorgungsmodellen im ambulanten und stationären Bereich.

Wir bewegen uns täglich im Spannungsfeld zwischen dem Mitwirken und Aufrechterhalten des bestehenden Systems einerseits und unseren gegensätzlichen Überzeugungen und Vorstellungen andererseits. Daher möchten wir uns als solidarisch* motivierte und aktiv handelnde Menschen im Gesundheitswesen ermutigen und unterstützen. Wir wollen unser Netzwerk mit Gleichgesinnten auf lokaler und ideeller Ebene ausbauen und festigen.

Alle Menschen, die unsere Werte teilen, sollen sich zu unserer Gruppe zugehörig fühlen.

Wir wollen weiter wachsen und freuen uns auf Unterstützende.

*Solidarität meinen wir im Sinne eines Gefühls von Zusammengehörigkeit und Füreinander Einstehens, auch und vor allem für die gleichen Ideen und Vorstellungen.