Corona-Pandemie deckt Missstände im Gesundheitswesen auf

In der Corona-Krise wird deutlich, dass Gesundheitsversorgung zur staatlichen Daseinsvorsorge gehört. Marktwirtschaftliche Prinzipien stoßen an ihre Grenzen, wenn es um die Vorhaltung von Kapazitäten und die Versorgung in Kriesensituationen geht. In unserem Leserbrief setzten wir uns damit ein Stück weit auseinander.

Leser*innenbrief von Lea Knopf/Solimed Bremen bzgl. Kommentar über die Gesundheitspolitik – „Ein Umdenken ist nötig“ (11.4.20 im Weserkurier, unter folgendem Link erreichbar: https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-politik_artikel,-ein-umdenken-ist-noetig-_arid,1907477.html#nfy-reload)

Versorgung neu gestalten
In der Corona-Pandemie stoßen marktwirtschaftliche Prinzipien in der Gesundheitsversorgung an ihre Grenzen, sodass sich der Staat regulierend einschaltet. Krankenhausinfrastruktur wird ausgebaut, Personal wird reaktiviert und Planeingriffe werden verschoben. Im Vergleich zu anderen Gesundheitssystemen steht Deutschland derzeit gut da. Dass es möglich ist, Kapazitäten zu schaffen (z.B. Intensivbetten aufzustocken), liegt jedoch weniger an einem funktionierenden Vorhaltesystem, als vielmehr daran, dass die marktwirtschaftlichen Prinzipien in Deutschland nicht vollständig aufgegangen sind. Entgegen den Erwartungen, dass die Anzahl der Krankenhäuser und der Betten unter dem Regiment des Wettbewerbs drastisch zurückgehen würde, haben Krankenhäuser in Eigenregie Kapazitäten teilweise ausgebaut – vor allem in lukrativen Bereichen. Dazu zählt zum Beispiel die Beatmung von Patient*innen. Gespart wurde hingegen am „teuren“ Personal. Die Eigenbrötlerei der Kliniken hat dazu geführt, dass die Bettenanzahl für die Versorgung von Covid-19 Patient*innen derzeit auszureichen scheint. Die „Krisen- Maßnahmen“ sind allerdings nur in sachbezogenem Management umsetzbar und nicht unter profitorientierter Prämisse. Dadurch, dass die gesamte Gesellschaft von der Krise betroffen ist, wird offenbar, wie wichtig Strukturierung, Planung, Kommunikation und medizin-sachliche Ausrichtung im Gesundheitswesen sind. In einem nachhaltigen, bedarfsorientierten Versorgungssystem muss die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung zu jeder Zeit das Ziel sein. Abgesehen von Material und Infrastruktur, ist dies nur mit besseren Arbeitsbedingungen des Personals erreichbar. Mit einem an Gewinn orientierten System kann in Zukunft weder die Versorgung während einer Pandemie noch der „Klinikalltag“ funktionieren. Die Lehre aus Corona sollte der Beginn einer grundlegenden Neuausrichtung des Gesundheitssystems sein!
Der Leserbrief kann auch unter folgendem Link gedownloaded werden:

Leserbrief_Umdenken im Gesundheitswesen_Solimed

 

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